Sonnendeck – Kunstmagazin – jeden Monat neu
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Luhja!
Pan-Aroma
von Charlotte Lindenberg

Der Begriff „sakral“ umfasst ein Wortfeld, das von „heilig“ über „geweiht“ bis „gesegnet“ reicht. Kunst lässt sich als sakral bezeichnen, insofern sie von metaphysischen Grundannahmen ausgehend durch kollektives Handeln entsteht. Aus Sicht der mimetischen Theorie ist daher der Ursprung aller europäischen Kunst sakral, weil er in solchen Zeremonien liegt. Die Frühlingsfeste zu Ehren des Gottes Dionysios, die seit dem 6. Jh. v.u.Z. in Athen veranstaltet wurden, gaben Anlass zur Erfindung des Schauspiels und dieses wiederum gilt als Ursprung von Literatur, Musik, darstellender und bildender Kunst: Im dionysischen Kult vollzog die im gemeinsamen Glauben verbundene Gruppe Tod und Wiedergeburt des Gottes der Fruchtbarkeit nach, um so die Wiederholung des Jahreskreislaufs anzuregen.

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Das Geflecht von Glaube, Kunst und Kirche
von Michael Reuter

Es ist die Frage nach der Henne und dem Ei - was war zuerst da? Ist die Kunst aus den Religionen hervorgegangen, um deren Geisteswelt zu illustrieren und so den Frommen mittels einer Bilderwelt das Glauben zu erleichtern. Oder bildhauerten und malten unsere frühen Vorfahren einfach drauf los und differenzierte sich diese kultische Bilderwelt später zu Religionen aus? Die sonnendeck-Redakteure Hansjörg Fröhlich und Michael Reuter wandten sich in ihrer Ahnungslosigkeit an einen der es wissen muss: Pfarrer Helmut A. Müller ist Leiter des Bildungszentrums Hospitalhof in Stuttgart und kuratiert dort seit 1987 Kunstausstellungen im sakralen Gemäuer der Hospitalkirche.
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Kniet nieder und lasset ab
Das Sakrale hat noch nie zwischen zwei Buchdeckel gepasst.
Massenmediale Fetisch­produktion und das ritualisierte Einüben von
Angstfantasien haben neue Heiligtümer geschaffen.
Ein 5-Thesen-Papier von Hansjörg Fröhlich

Wir leben in einer Gesellschaft von freien Sklaven, temporäre Unterdrückung ist der Motor der Konsumindustrie. 30 Prozent der Deutschen wollen die Mauer zurück, nur diesmal andersherum, damit die schönen Graffiti von Osten aus bestaunt werden können. Soweit wird es nicht kommen, der Wiederaufbau der deutsch-deutschen Grenze, so haben Experten eines Satire-Magazins kürzlich berechnet, würde den Etat des Bundesministers für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer, um ein Vielfaches sprengen. Doch die Mauer in unseren Köpfen kann uns niemand nehmen. Herr Niemand ist Forscher auf dem Gebiet interdisziplinäre Soziologie, Religionswissenschaft und Vergangenheitsbewältigung an der Helmut-Kohl-Universität Ludwigshafen und sagt: „Zweifellos ist uns mit den Ereignissen am 9. 11. 89 ein großer Fetisch verloren gegangen. Ost-West, die Mauer, Einreisepapiere, Tränenpalast, das waren starke Orientierungspunkte, die unserem Denken Halt und unseren Seelen ein Shangri-La boten.“
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Pussyclub im Pleistozän

von Michael Reuter

Was war da eigentlich los, vor 40 000 Jahren auf der Schwäbischen Alb? Höhlenbewohnende Felljackenträger saßen ums Lagerfeuer und beteten mangels einer richtigen Religion einfach an, was halt gerade da war – ihre Frauen, Mammuts und Knochenflöten. Für den Fall dass sich Mammuts und Frauen aufgrund karger Innenausstattung und monothematischer Ernährungsweise aus der Höhle zurückziehen, fertigten unsere Eiszeitler kultische Kleinplastiken an, um weiterhin der Anbetung ihrer favorisierten Speise und Freizeitbeschäftigung zu frönen. Einige Jahrtausende später, nach der Erfindung von Religion, Vegetarismus, Radio und Wissenschaft, kommen Kunsthistoriker überein, dass damals in der Höhle bei Schelklingen nichts weniger als die Vernissage für gleich zwei Säulen menschlicher Kultur gefeiert wurde – der Kunst und des Sakralen. Wo Grundsteinlegung zelebriert wird, darf das sonnendeck nicht fehlen. Michael Reuter pilgerte zum Schlossplatz und traf dort auf kopflose Frauen und archaische Flötenmusik.
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