Sonnendeck – Kunstmagazin – jeden Monat neu


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Dalai Lama ohne Brille
Irgendwie herrscht ein Mangel an Utopien, die sich tatsächlich mit einer wünschenswerten Zukunft beschäftigen. Stattdessen scheinen apokalyptische Visionen zum Mantra der postmodernen Gesellschaft zu werden. Warum das so ist, erklärt Hansjörg Fröhlich:

Wenn der alte Thomas Morus gewusst hätte, was er mit seinem Literaturklassiker Utopia (1516) lostreten würde, hätte er wohl seinen Senf für sich behalten. Seither meint die Menschheit sich Utopien zulegen zu müssen, in denen sie sich eine andere Lebenswelt zurechtdenkt, von der sie weiß, dass sie zu faul ist, sie sofort zu erschaffen.
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Nun sag’, wie hast du’s mit der Utopie?
Sonnendeck-Redakteur Michael Reuter im Gespräch mit Wolfgang Ullrich, Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe:

Der Philosoph Ernst Bloch beschreibt in seinem Hauptwerk „Prinzip Hoffnung“, die Utopie als eine im Kern nach vorn gerichtete Intention: „ […] jedes Kunstwerk, jede zentrale Philosophie hatte und hat ein utopisches Fenster, worin eine Landschaft liegt, die sich erst bildet.“ Hat sich die zeitgenössische Kunst nicht längst in ein marktwirtschaftlich geprägtes, fensterloses Separee zurückgezogen?

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Alle-nackt-sehen ist keine positive Utopie
Sich-selbst-nackt-fühlen aber noch weniger.
von Elsa-Laura Horstkötter

Seit meinem 19. Lebensjahr bin ich davon überzeugt, dass AGs, die einen Schüler der Oberstufe an Freitagnachmittagen auf GFS (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) in Mathematik vorbereiten sollen, Selbstzerstörung bedeuten. Und nach drei Jahren an der Uni bin ich mir ebenso sicher, dass Wochenendseminare zum Thema: „Sinnvoll präsentieren und moderieren“ oder „Sich verständlich und exakt ausdrücken“ (beides Angebote des Career Service an der Universität Tübingen zum Wintersemester 08/09) das gesellschaftliche Aus auf dem Campus einläuten, wenn man bei der Teilnahme erwischt wird.
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Utopien leicht gemacht
Unsere Glücksbox für alle
von Elsa-Laura Horstkötter

Die zuverlässigste Utopie ist immer noch ein gekonnt manipuliertes Nervensystem. Die unablässig um das Wohl ihrer Leser bemühte sonnendeck-Redaktion hat ein kleines Kompendium feiner Substanzen zusammengestellt, die in allen Lebenslagen vorübergehende Erlösung von einer temporär eventuell garstigen Realitätsanmutung verschaffen.