Sonnendeck – Stuttgarter Kunstnotizen Ausgabe Juli/August 2008

STEUERBORD

Sehr gehrte Betrachterin, sehr gehrter Betrachter,
geneigte Analphabeten,

über fünf Jahre hinweg wurde die sonnendeck-Leserschaft mit den zuweilen solipsistischen, immer eigenwilligen und selten langweiligen Worten zur Verfasstheit der Kunst und dem Leben mit ihr, gequält, erfreut und allein gelassen. Eine Textschwemme, tief und weit wie ein Ozean, eine Wortwalze, die enormes Strandgut mit sich führt, hat sich da über die Jahre im Online-Archiv angesammelt. Ein konstanter Bewusstseinsstrom, monatlich ins Heft gegossen, und doch keine Logorrhoe, sondern eher eine Regelblutung – gesund, reinigend und das Feld bereitend.

Für die nun vorliegende Ausgabe zum fünften Geburtstag verstummen die Gesänge. Die Textredaktion ging in Klausur und hat sich ein Schweigegelübde auferlegt. Kein besserwisserisches Dozieren mehr, kein launisches Lallen, kein scharfsinniges Analysieren – wir kehren zurück zum ersten Tag der Schöpfung, als die Welt still, die Sicht klar und Gottes Werk unkommentiert war. Der redaktionelle Teil dieses Heftes besteht gänzlich aus Abbildungen, die wir wortlos abdrucken, da sie, wie wir meinen, als eigenständiges Werk oder im Kontext der Nachbarbilder mehr sagen als viele Worte. Natürlich sind wir uns bewusst, dass dieses wortkarge Vorgehen unsere treue Leserschaft vollkommen überfordert. Daher haben wir zum ersten Mal in der Geschichte des sonnendecks eine Doppelnummer vorgelegt, um den Betrachtern zwei Monate Zeit zu geben, in die ambivalente, vielschichtige, wort- aber nicht sprachlose Bilderwelt des sonnendecks einzutauchen.

Wortlose Grüße vom sonnendeck