vor langer, langer Zeit war die Welt in zwei Blöcke aufgeteilt. Die Guten im Westen, die Bösen im Osten und die Blockfreien im Kröpfchen. Einfach war’s, übersichtlich und züchtig, wie ein gut aufgeräumter Bundeswehrspint. Dann fiel die Mauer, der Osten wurde gut, der Westen ein wenig böser und der Rest stand plötzlich mit leeren Händen da. Für ca. 10 Jahre herrschte sonniger Frieden. Waffenarsenale wurden verhökert, Solidaritätszuschläge erhoben, ferne Länder wurden an die Weltbank-Kandare genommen – was man halt so macht im Frieden. In den Ländern Osteuropas, ein Begriff der eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist, bezeichnet er doch die ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts, also auch Länder die eindeutig in Mitteleuropa liegen, wurde diese Zeit genutzt, um sich von den Bedingungen der sozialistischen Zeit zu lösen. Künstler experimentierten mit neuen Konzepten, was jahrelang underground war, wurde overground, neue Felder, wie die Medien, welche jahrelang unter der Kontrolle autoritärer Regime waren, wurden der Kunst erschlossen. Das künstlerische Verfahren war in diesen ersten zehn posttotalitären Jahren hauptsächlich die Appropriation. Das ästhetische Material der stalinistischen Epoche wurde aufgenommen und zu einer neuen künstlerischen Welt und Identität kombiniert. Es ging um Kritik und um die semantische Entschärfung und Umdeutung der Bilderwelt der eben erst gefallenen Regime. Das Vergangene wurde in adäquater gegenwärtiger Erfahrung artikuliert, in der Hoffnung, mithilfe der Kunst Möglichkeiten zu entwickeln, das Geschehene zu begreifen. Diese posttraumatische Phase ist vorüber, die Kunst in Osteuropa hat sich zu einem bunten Strauß ausdifferenziert, der sich eventuell nicht mehr wesentlich von den Gebinden Westeuropas unterscheidet. Osteuropäische Grüße vom sonnendeck |