hundertzwanzig Jahre Le Corbusier, 100 Jahre Werkbund und achtzig Jahre Weißenhofsiedlung – die Architektur lebt in ihren Jubiläen. Ihre zeitgenössische Performance kann da nicht mithalten. Das Echo ihrer öffentlichen Wahrnehmung schwankt zwischen unbeliebten Wohngebäuden von der Stange und teuren Vorzeigeprojekten, die der Selbstdarstellung unzähliger Wirtschaftskonzerne dienen bzw. der Amtszeit eines Bausenators oder Bürgermeisters ein Denkmal setzen. Außerhalb des Feuilletons und den branchenbezogenen Fachzeitschriften, ist vom Architekt als Künstler selten die Rede. Kommt ein Architektenname in die öffentliche Diskussion, dann oft wegen eines Prozesses, der immer häufiger auf die Fertigstellung des Gebäudes folgt. Wie jüngst im Streit um die Trägerkonstruktion und Planungsdetails des Berliner Hauptbahnhofs. Die einst als Mutter der Künste bezeichnete Disziplin, könnte heute allenfalls noch als Mutter der Wüste firmieren. Der innerstädtischen Bauwüste, die des Öfteren beklagt wird. Abseits solcher pauschalisierender Bewertung, erweist sich die Architektur als vielfältige Angelegenheit, mit zukunftweisender Forschung zu neuen, nachhaltigen Materialien und Konzepten, die sich mit den konkreten Siedlungssituationen der Menschen im 21. Jahrhundert auseinandersetzen. Im Zusammenspiel mit den normativen Kräften der Bauwirtschaft und Amtsstuben, lässt sich allerdings immer nur ein Teil dieser Vielfalt auf die Straße bringen.
In dieser Sonnendeck-Ausgabe wird die Architektur aus etlichen Winkeln betrachtet. Die Diskussionsrunde „Hohenheimer Gespräch“, befasst sich im November mit Unternehmensarchitektur zwischen Corporate Identity und Kulturfaktor. Drei Gesprächsteilnehmer haben schon vorab ihre Ansichten zum Thema geäußert. Ein Bericht von Carmen Mundorff stellt den Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen“ der Architektenkammergruppe Stuttgart vor. Von der Gründung einer „Bundesstiftung Baukultur“ und was von ihr erwartet werden kann, berichtet Hansjörg Fröhlich. Der Architekt Uwe Brückner erklärt wie er im neuen BMW-Museum Raum choreographieren möchte. Die zunächst absurd anmutende Verbindung von Geräuschkunst und Architektur, haben Asli Serbest und Mona Mahall vom Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen der Uni Stuttgart erforscht und dabei den Eifelturm umgeschichtet. Der Stuttgarter Architekt Mark Phillips hat sich Gedanken zu Architektenausbildung und Selbstverständnis der Zunft gemacht. Setzt temporäre Architektur neue Akzente? Valerie Hammerbacher hat zwei Befürworter dieser These interviewt. Um Wirkung von Gebäuden bei Nacht kümmert sich ein Lichtmasterplan der Stadt Stuttgart, Regina Fasshauer stellt ihn vor. Der Freiburger Regisseur Manuel Kreitmeier hat für das sonnendeck eine Retrospektive zum Werk Le Corbusiers in Weil am Rhein besucht. Jochen Schlöder geht in der Fortsetzung seiner Kolumne auf Wohnungssuche und wie in Tübingen aus einem Landratsamt ein Kunstamt geworden ist, erfahren wir von Gabriele Schweizer.
Erbauende Lektüre wünscht das Sonnendeck