Sonnendeck – Stuttgarter Kunstnotizen Ausgabe April 2007

STEUERBORD

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
geneigte Kunstfreunde,

Helden von heute haben Klingeltöne auf ihrer Website. Ganz im Ernst: Wer „Helden“ googelt, gerät unverzüglich auf die Seite der Berliner Pop-Rock-Formation „Wir sind Helden“ – und von dort ist der Weg zu den Klingeltönen nicht mehr weit. Und was bedeutet eigentlich so ein Bandname? Früher gab es Dschungelhelden wie Tarzan, Superhelden wie Supermann, Westernhelden, solidarische Helden wie Robin Hood oder Che, Helden von Bern meinetwegen, Helden der Arbeit auch – um nicht gleich zu den Helden der antiken Mythologie zurückzukehren, zu Herakles-Typen eben, die zum Helden werden, weil sie heldenhaftes tun, Monster verjagen, Drachen töten, Jungfrauen beschützen und am Ende den Heldentod sterben.
Natürlich ist Helden gegenüber eine gewisse Ironie stets und immer angebracht, doch will man wirklich so weit gehen, zu behaupten: Wir sind Helden? Wir, das heißt ja wohl wir alle – und das schließt einige, ziemlich viele ein, die man nun wirklich nicht im Kreis der Helden aufgenommen wissen möchte.
Wo aber stecken die Helden in der Kunst? In der „Zeit“ war vor kurzem zu lesen, der neue Held der Kunst wäre, wen wundert’s … der Sammler. Sie seien die eigentlichen Stars des Kunstbetriebs. Sie wären jene, welche die Kunst neu beleben würden, weil sie als „eine monetäre Variante von Märtyrern“ geschätzt würden: „Als Kenner gilt nicht, wer über Kunst theoretisiert, sondern wer sie bezahlt.“ Würden diese Menschen nicht Kunst, sondern, sagen wir, Autos sammeln, man würde sie ob ihres Spleens verlachen. Aber sie sammeln Kunst – das macht sie zu Helden.
Helden aus Kunst und Leben auch im neuen Sonnendeck: Andreas Baur berichtet in seinem Beitrag über die Esslinger Ausstellung „Brave Lonesome Cowboy. Der Mythos des Westerns in der Gegenwartskunst“ von dem am 26. Mai 1907 geborenen Marion Robert Morrison alias John Wayne. Doch nicht nur von diesem kinematografischem Westernhelden ist hier zu lesen. Man wird, so Baur, „den Verdacht nicht los, dass mittlerweile selbst die Weltpolitik nicht ohne Muster oder Vorlagen aus dem Western auszukommen in der Lage ist.“ Ein Interview mit Kurator Konrad Bitterli rundet den Themenschwerpunkt ab.
Ein unerschrockener Held der Muskeln ist der 1948 geborene Leonberger Jusup Wilkosz, bis heute bester deutscher Bodybuilder aller Zeiten, der in dem Porträt „Zeus kommt aus Schwaben“ vorgestellt wird. Wilkosz war Mr. Universum des Jahres 1980, ein lebendes Kunstwerk, das nach tiefem Fall in den Neunzigern jetzt wieder angefangen hat, seine Muskeln spielen zu lassen.
Valerie Hammerbacher beschäftigt sich in ihrem Beitrag schließlich mit jenen, seit dem Beginn
des 19. Jahrhunderts entstehenden Künstler-Denkmälern (wie etwa das Schiller-Denkmal in Stuttgart), die sich zwar nicht immer durch künstlerische Raffinesse, doch aber zumindest durch einen hohen Sockel auszeichnen.

Heldenhaftes Ostereier-Suchen, die Redaktion