Affen
dienen der Forschung in mannigfaltiger Weise. Immer
wenn wir ein Medikament schlucken, hat es garantiert zuvor
schon ein
Affe zu Testzwecken eingenommen. Wollen wir verstehen
wie das Denken, Rechnen oder die Sprache funktioniert,
werden Wissenschaftler in die Käfige unserer fellreichen Verwandtschaft geschickt.
Was immer wir von uns wissen, wir wissen es dank der geduldigen
Affen. Die Primatenforscher vom US-amerikanischen Yerkes National
Primate Research Center haben sich neulich folgende Frage gestellt:
Wie funktioniert eigentlich Tradition? Wie wird sie innerhalb einer
Gruppe weitergegeben und unter welchen Umständen? Um
es gleich rauszulassen: das Ergebnis ist niederschmetternd.
Wie sinnvoll ein Verhalten, wie nützlich Brauchtum ist, das
die jüngere Generation von einem älteren Tier übernimmt,
spielt scheinbar keine Rolle. Wichtig ist die Stellung des vorlebenden
Tiers innerhalb der Rangordnung. Das heißt, auch sinnloses
Verhalten wird zur Tradition. Die Primatenforscherin Kristin Bonnie
entwarf ein Szenario, mit dem sie die Bildung einer Tradition direkt
beobachten konnte. Dazu brachte sie jeweils einem Weibchen zweier
Schimpansen-Gruppen bei, eine Kunststoffmarke vom Boden ihres Geheges
aufzuheben, damit zu einem von zwei Containern zu gehen und die
Marke in eine kleine Öffnung zu werfen.
Eines der Testweibchen wurde dabei darauf trainiert,
die Marken ausschließlich in einen Eimer zu werfen, während
das andere nur einen röhrenförmigen Behälter benutzen
durfte. Beide Aufgaben sind also gleichermaßen sinnlos. Anschließend
brachten die Forscher die trainierten Tiere wieder mit ihrer Gruppe
zusammen und beobachteten, wie sich die anderen Schimpansen verhielten.
Alle Gruppenmitglieder entschieden sich für den Container,
den das zweite, ranghöhere Weibchen benutzte. Das Weibchen,
das die Marken konsequent in den Eimer steckte, hatte in seiner
Gruppe einen niedrigen Rang – und fand keine Nachahmer. |